Awareness-Zelt

Aware­ness auf dem Medival

Wir tun alles dafür, dass Du Dich sicher, respektiert und unterstützt fühlst.

Auf dem Festivalgelände sind ab 19 Uhr Awareness-Teams unterwegs. Als Ansprechpersonen haben sie immer ein offenes Ohr für Euch. Es gibt ein Awareness- und Ruhe Zelt, wo sich Betroffene zurückziehen können.

Wir verfolgen das Ziel zu sensibilisieren und Aufmerksamkeit zu schaffen für übergriffiges Verhalten, Grenzüberschreitungen und jegliche Formen von Diskriminierung. Sexuelle Übergriffe sowie rassistische, homophobe oder sexistische Einstellungen und Äußerungen haben bei uns keinen Platz.

Konzept

1. Was wir unter Awareness verstehen


Das Awareness-Konzept für unsere Veranstaltungen verfolgt das Ziel, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle Teilnehmer*innen sicher, respektiert und unterstützt fühlen. Wir verstehen unsere Veranstaltungen als einen geschützteren Raum. Wir wünschen in diesem Raum ein Miteinander, bei dem sich alle Menschen wohlfühlen können, ohne Angst vor Verurteilung, Diskriminierung, Belästigung, sexuellen Übergriffen und Gewalt im Allgemeinen zu haben. Wir verstehen Awareness-Arbeit nicht als Mittel, um Diskriminierung und Gewalt zu verhindern, aber als eine Möglichkeit der Prävention. Unser Ziel ist es zu sensibilisieren und Aufmerksamkeit zu schaffen für übergriffiges Verhalten, Grenzüberschreitungen und jeglichen Formen von Diskriminierung. Sexuelle Übergriffe sowie rassistische, homophobe oder sexistische Einstellungen und Äußerungen haben bei uns keinen Platz.

2. Interne Maßnahmen


Die Crew hat sich in einer Awareness-Schulung weitergebildet und erhält Unterstützung von einer externen Awareness-Team, um eigene Strukturen aufzubauen. Erlerntes Wissen wird vor und während der Veranstaltungen an Besucher*innen, Personal und Künstler*innen weitergetragen. Wir erwarten langfristig, dass alle Teilnehmenden auf unseren Veranstaltungen Verantwortung für sich selbst und für eigenes Handeln gegenüber anderen Personen in unserem geteilten Raum übernehmen. Awareness kann dabei helfen, eigene Grenzen und Bedürfnisse herauszufinden, sie bei anderen wahrzunehmen und einzuhalten.

3. Ziele


Als Veranstaltende bieten wir Unterstützung für Betroffene an. Dafür stellen wir auf unseren Veranstaltungen ein Awareness-Team zur Verfügung. Betroffene von Diskriminierung und Gewalt können dort parteiliche Unterstützung erfahren. Wenn es die Situation erlaubt, können auch aufklärende Gespräche mit diskriminierenden und gewaltausübenden Personen geführt werden. Alle sollen gleichermaßen an der Veranstaltung teilhaben können – egal woher sie kommen, wen sie lieben, wie sie aussehen, sich bewegen oder sprechen. Das Motto bleibt: Lass Diskriminierung keinen Platz! Tanz als würde keiner gucken!

4. Grundsätze


Diese Grundsätze gelten für alle Besucher*innen und alle an unseren Veranstaltungen Beteiligten.

I. Nein heißt Nein!
Nur Ja heißt Ja! Entscheidungen müssen im Konsens getroffen werden. Jede*r hat das Recht, klar und ohne Druck „Nein“ zu sagen, und nur ein eindeutiges „Ja“ ist ein „Ja“. Wenn Du Dir unsicher bist, ob etwas gut ist, frag nach. „Vielleicht“,„später“, „Ich weiß nicht“ und Schlafen sind keine Zustimmung.

II. Grenzen einhalten!
Einfache Regel, oder? Achte auf die Grenzen anderer. Dir sagt jemand, dass Du eine Grenze überschritten hast? Versuche Dich nicht zu erklären und starte keine Diskussion. Nimm die Rückmeldung an, stoppe die Handlung und achte darauf, dass Du diese und andere Grenzen nicht wieder überschreitest.

III. Sei solidarisch -
alle sind verantwortlich für das Miteinander auf einer Veranstaltung. Wenn Du beobachtest, dass jemand Unterstützung braucht, biete sie an. Sprich auch Freund:innen darauf an, wenn sie sich diskriminierend äußern oder grenzverletzend verhalten.

IV. Du hast die Deutungsmacht.
Wenn Du etwas Unangenehmes erlebst, nimm Dich und Deine Gefühle ernst. Du bist die Expert:in Deiner Erfahrungen und Deiner Bedürfnisse. Nur Du kannst benennen, was Du gerade brauchst. Nur Du kannst benennen, was Dir passiert ist und ob jemand Deine Grenzen überschritten hat.

V. Respekt!
Achte auf Dich und auf andere. Alle sollten gleichermaßen an der Veranstaltung teilhaben können – egal woher sie kommen, wen sie lieben, wie sie aussehen, sich bewegen oder sprechen. Lass Diskriminierung keinen Platz!

VI. Nie allein!
Es sei denn, jemand braucht Zeit alleine. Sprecht Euch vor der Party mit Freund*innen ab: Wie geht es Euch, was ist Euch heute wichtig? Wollt Ihr als Gruppe zusammenbleiben, neue Leute kennenlernen oder einfach nur tanzen? Wie kommt Ihr nach Hause? Wie viel und was möchtet Ihr heute konsumieren?

VII. Bewusst genießen!
Mach Dir bewusst, was Du heute Abend erleben willst und was nicht. Kenne die Auswirkungen und Risiken von Alkohol und weiteren Substanzen auf Dich und andere. Dränge niemanden dazu, etwas zu konsumieren.

5. Über die Grundsätze


In diesem Punkt erklären wir vier Grundsätze genauer, da sie für die Awareness-Arbeit aus unseren Veranstaltungen maßgeblich sind. Dazu gehören Grenzverletzungen, Übergriffe, Definitionsmacht und Vertraulichkeit. Allgemein halten wir fest, dass grenzüberschreitendes und diskriminierendes Verhalten nicht im luftleeren Raum stattfindet. Demnach ist Diskriminierung erlernt, meist unbewusst und unbeabsichtigt. Doch sie wirkt und das ist das Einzige, was in der Awareness-Arbeit zählt.

Grenzverletzungen:
Nicht nur objektive Faktoren sind Maßgebend bei der Bewertung eines Verhaltens als grenzverletzend, sondern ebenso das jeweils subjektive Befinden der betroffenen Person. Grenzüberschreitungen sind nie ganz zu vermeiden und in der Regel auch nicht vorsätzlich. Passieren zufällige und unbeabsichtigte Grenzverletzungen im alltäglichen Miteinander, sind diese meist korrigierbar, wenn die grenzüberschreitende Person der Gegenüber mit einem grundlegend respektvollen Umgang begegnet. Wird Grenzüberschreitendes Verhalten von einer Person bewusst überschritten, zeigt sich eine solche Haltung durch Einsicht, eine Entschuldigung beziehungsweise den Versuch, derartige Grenzverletzungen in Zukunft zu vermeiden.

Übergriffe:
Übergriffe passieren dem entgegen nicht aus Versehen. Natürlich sind nicht alle übergriffigen Handlungen im Detail geplant, sondern treten nur dann auf, wenn Menschen soziale/kulturelle Normen, institutionelle Regeln, Widerstände der Betroffenen und/oder professionelle Standards missachten.

Definitionsmacht:
Unter Definitionsmacht versteht man das Konzept, dass - aufgrund von individuell verschieden erlebter und wahrgenommener Gewalt - nur von der betroffenen Person definiert werden kann, wann Gewalt anfängt, Grenzen überschritten werden und als Gewalt wahrgenommen wird. Deshalb sollte auch die Definition von Gewalt/ einer Grenzüberschreitung durch die betroffene Person unter keinen Umständen in Frage gestellt werden. Unabhängig davon, wie der Übergriff aussah oder von außen wahrgenommen wurde: Wenn die betroffene Person es als Gewalt oder Übergriff empfindet, ist dies zu respektieren (man weiß nie, was die betroffene Person schon alles erlebt hat). Der betroffenen Person sollte auf keinen Fall durch Fragen nach Details des Übergriffs, ständiger Bitte um erneute Schilderung oder Ähnlichem die Wahrnehmungsfähigkeit abgesprochen werden. Betroffene Personen sollen nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten. Um Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und Selbstbestimmung sowie die Handlungsfähigkeit nach einem Übergriff wieder zu stärken, ist es darüber hinaus wichtig, sich während der Awareness-Arbeit aktiv auf die Seite der betroffenen Person zu stellen. In dem Konzept geht es hauptsächlich darum, das Erleben und die Bedürfnisse der betroffenen Person anzuerkennen und nicht darum, die gewaltausübende Person zu bestrafen.

Vertraulichkeit:
In allen Situationen werden die Unterstützungsgespräche mit allen Beteiligten vertraulich behandelt. In Absprache mit den betroffenen Personen, dürfen Informationen an Dritte weitergegeben werden. Da wir nach der Veranstaltung in den Austausch gehen, um das Erlebte zu reflektieren und alle Vorfälle dokumentiert werden sollen, geschieht dies nur in anonymisierter Form.

6. Diskrimi­nierungs­formen


Warum gibt es Diskriminierung?
Unsere Gesellschaft ist stark von Machtdynamiken geprägt, sodass die Abwertung aufgrund von (zugeschriebenen Merkmalen) für viele keine Seltenheit ist. Es kann offensichtlich sein, dass Benachteiligung wegen (vermeintlicher) Gruppenzugehörigkeit passiert. Sie kann aber auch unbewusst oder im Verborgenen stattfinden und nicht als Diskriminierung erkannt werden. Verhalten und Handeln finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern werden von gesellschaftlichen Strukturen gerahmt. So genießen Personen bestimmte Privilegien, weil sie Teil einer gesellschaftlich konstruierten Gruppe sind, die bestimmte Identitäten (weiß, männlich, cisgender, nicht-behindert) als “Norm” wahrnehmen und bevorzugen. Privilegierten Personen stehen Handlungsräume und Möglichkeiten offen, während Personen, die von der Norm abweichen, systematisch benachteiligt und diskriminiert werden.

Wie sieht Diskriminierung aus?
Diskriminierung zeigt sich indem Menschen aufgrund von Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung ungleich behandelt, abgewertet, oder benachteiligt werden. Solche Übergriffe äußern sich in Form von verbaler, körperlicher, sexualisierter und psychischer Gewalt wie gemeinen Sprüchen, Beleidigungen, Belästigungen und Drohungen. Es können irritierende Blicke sein oder ein diffuses Gefühl, dass bestimmte Personengruppen ausgeschlossen werden oder nur eingeschränkten Zugang zu einem Ort oder bestimmten Ressourcen haben. Möglich ist eine Überschneidung und Wechselwirkung verschiedener Diskriminierungsformen, die auf eine Person gleichzeitig einwirken können. Aufgrund verschiedener Merkmale, wie Frau, Herkunft und sexuelle Orientierung, kann eine Mehrfachdiskriminierung stattfinden (Intersektionalität). Diskriminierung findet auf verschiedenen Ebenen statt. Dabei unterscheidet sich die strukturelle, die institutionelle und die alltägliche Ebene.

7. Awareness-Strukturen auf unseren Veran­staltungen


Rückzugsort:
Auf unseren Veranstaltungen gibt es einen festen Rückzugsort für Betroffene, um allein zu sein oder mit einer vertrauensvollen Person aus dem Team zu reden. Wir bieten an, in einer reizarmen Umgebung, die Möglichkeit in Ruhe und ohne Druck über Erlebtes zu sprechen oder einfach nur runterzukommen.

Awareness-Points:
An strategisch wichtigen Stellen wie Kassen, Bars und Eingängen gibt es Sammelpunkte, an denen sich Betroffene bei Problemen melden können. Genaue Informationen werden vor der jeweiligen Veranstaltung bekannt gegeben.

Beobachtung und Interaktion:
Das Awareness-Team ist präsent und achtet darauf, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen. Wir stehen als Ansprechpartner*innen bereit, um zuzuhören und bei Bedarf zu intervenieren.

Vertrauenspersonen:
Es gibt speziell geschulte Personen, die als vertrauliche Anlaufstelle dienen und die Betroffenen bei Bedarf unterstützen können.

8. Sensibili­sierung und Aufklärung


Social Media und Öffentlichkeitsarbeit:
Durch Social-Media-Kampagnen möchten wir das Bewusstsein für Diskriminierung und die Bedeutung von Awareness stärken und alle Besucher*innen sensibilisieren.

Kooperationen und Schulungen:
Wir arbeiten mit externen Partnern zusammen, die Expertise im Bereich Antidiskriminierung und Awareness-Arbeit haben. Das Awareness-Team wird kontinuierlich geschult und reflektiert seine eigene Praxis. Abhängig von unserem Budget und Fördergeldern bilden wir uns kontinuierlich weiter und bauen unsere Awareness-Arbeit weiter aus.